Pasta Neapolitana - Karin Lassen

Pasta Neapolitana oder das Geheimnis des Nudelwassers

Pasta NeapolitanaWer schon einmal angstschlotternd im Krankenzimmer auf das Erscheinen der Pfleger*innen wartete, die mit Blutdruckmessgerät, Flügelhemdchen und Beruhigungspille bewaffnet den Patienten auf die bevorstehende OP vorbereiten, weiß, es gibt wesentlich angenehmere Aufenthaltsorte und Situationen im Leben. Wer aber wie ich das Glück hat(te), das Zimmer mit einem ebenso kochbegeisterten Mitmenschen zu teilen, der bekämpft seine Nervosität möglicherweise mit dem Austausch von Rezepten und erhält auf diese Weise geniale Tipps für die Zeit nach der Entlassung. Einer dieser Tipps betrifft die Zubereitung einer köstlichen Pasta Neapolitana, die ihre wunderbare Konsistenz unter anderem einer geheimen Zutat verdankt – dem Nudelwasser.

Sie müssen sich nun nicht extra einer Operation unterziehen und darauf hoffen, dass etwaige Zimmergenossen Ihnen mit eben diesem Tipp die Angst vor der Narkose nehmen. Ich teile meine mittlerweile im Praxistest erprobte Erkenntnis mit Ihnen. Das Rezept stammt von meiner Leidensgefährtin, die seit mehr als 30 Jahren mit einem Italiener verheiratet und der italienischen Küche entsprechend verbunden ist. Und ich könnte wetten, dass unsere stundenlangen Plaudereien maßgeblich zur Heilung beigetragen haben.
Den Rest hat die Pasta Neapolitana erledigt.

Das Geheimnis des Nudelwassers

Wie haben Sie bisher Spaghetti zubereitet? Vermutlich ausreichend Wasser mit etwas Salz gekocht, Pasta hinein, nach Ende der Garzeit ins Sieb abgegossen, abtropfen lassen und mit einer schmackhaften Soße serviert. Bei unserer Pasta Neapolitana werfen wir diese Gewohnheit über Bord.
Anstatt die Spaghetti abzugießen, schöpfen wir sie direkt aus dem Kochwasser in unseren Soßentopf und geben am Ende noch eine Kelle Nudelwasser hinzu. Das macht die Soße sämig und spart nebenbei noch Salz. Denn die Soße braucht nur eine Prise davon, das Kochwasser ist ja bereits gesalzen. Ihre sämige Konsistenz bekommt die Pasta Neapolitana durch die Stärke, die die Nudeln ins Kochwasser abgeben – das ist das Geheimnis!
Also: nicht abschütten!

Rezept

Zutaten für 3-4 Personen

500 g Spaghetti
ausreichend Salz für das Kochwasser
ca. 500 g Kirsch- oder kleine Datteltomaten
1 Bund frisches Basilikum
2-3 Zehen Knoblauch
Olivenöl
Kräutersalz, Pfeffer, italienische Kräuter nach Geschmack

Zubereitung

Tomaten halbieren oder vierteln, Knoblauch fein hacken, Basilikum in schmale Streifen schneiden.

In einem Topf mit schwerem Boden oder einer Pfanne mit hohem Rand das Olivenöl bei mittlerer Hitze erwärmen, Tomaten und Knoblauch hineingeben, mit Kräutersalz, Pfeffer und getrockneten italienischen Kräutern würzen und bei geschlossenem Deckel garen (ca. 10 Minuten). Dabei gelegentlich umrühren, damit nichts am Boden hängen bleibt. Basilikum unterrühren.

Parallel die Spaghetti in ausreichend Salzwasser bissfest kochen und anschließend direkt aus dem Kochwasser mit einer Spaghettizange herausnehmen und mit den karamellisierten Tomaten vermengen. Zuletzt eine Soßenkelle Nudelwasser dazu gießen, umrühren, fertig.

Mit frisch geriebenem Pecorino oder Parmesan genießen.

Guten Appetit!

P.S. Das Geheimnis dieser Pasta liegt natürlich nicht ausschließlich im Nudelwasser. Wichtig sind frische Zutaten, wie sonnengereifte Tomaten und aromatisches Basilikum. Statt getrockneter italienischer Kräuter kann man selbstverständlich auch frische verwenden. Oregano, etwas Thymian, ein bisschen Rosmarin, Petersilie, gerne auch ein paar Salbeiblättchen. Experimentieren lohnt sich und sorgt für verführerische Duft- und Geschmackserlebnisse.
Noch mehr Kräutergenuss gefällig? Dann sollten Sie unbedingt auch einmal die Kräuterschmarrn probieren!