Ach Du liebe Zeit!

Da nimmt man sich vor, zeitnah von aufregenden, wegweisenden oder schlicht und ergreifend schönen Ereignissen zu berichten, nur um festzustellen, dass sie schon wieder wie im Fluge vergangen ist, die Zeit. Von „zeitnah“ kann dann kaum noch die Rede sein, wobei – was sind schon acht Wochen, bedenkt man, dass unsere Erde bereits seit rund 4,6 Milliarden Jahren existiert…
Denn knapp acht Wochen Zeit sind ja erst vergangen seit dem Mannheimer Maimarkt.

Kaum zu glauben, dass wir zu diesem Zeitpunkt, in warme Schals gehüllt, die Taschentücher stets griffbereit, von heißem Tee und Suppe träumten, statt von Eis und kühler Meeresbrise. Anstatt nächtliche Schnakenattacken und tropische Temperaturen am Schreibtisch zu verfluchen, produzierten wir Atemwölkchen im Messezelt, beklagten Regenkälte und sehnten uns nach unwirklich ferner Sommerzeit. Doch wie es so ist mit der Zeit, der Sommer kam schneller als gedacht, und so mancher denkt nun heimlich wehmütig an das bisschen Frieren im Wonnemonat Mai zurück. War ja auch eine schöne Zeit…

Lesevergnügen in Maimarktzeiten

Knapp zwei Wochen lang bestimmte der Messetrubel unsere Tage. In der Kulturecke in Halle 16 lasen wir Autoren des Waldkirch-Verlags aus unseren Neuerscheinungen, signierten, erzählten, unterhielten. Kein Vergleich zu kuscheliger Buchhandlungsatmosphäre.

Anstatt vor der üblicherweise interessierten Leserschaft in ruhiger Runde zu sprechen, galt es hier, die Neugierde bummelnder Messebesucher zu wecken. Wobei deren Herumbummeln oftmals einem drangvollen Schieben wich, immerhin strömten in dieser Zeit mehr als 300.000 Besucher durch die Hallen.

Waldkirch-Stand in Halle 16
Waldkirch-Stand in Halle 16

Natürlich wollten die auch nicht alle über die Untaten eines ehemals in Paris und nun in Mannheim seine Untaten treibenden Killers (Oliver Hoffmann mit Auszügen aus dem noch unveröffentlichten Manuskript „Offline“) informiert werden oder von den Abenteuern Georg Wilhelm Schimpers (Gabrielle C. J. Couillez, „Abenteuer Afrika – mit dem Zug der Störche“), einem Mord im Mannheimer Hafen (Mara Laue, „Russenliebe“), Rachefeldzügen älterer Damen (Iris Welling, „Späte Rache“, Begegnungen auf dem Jakobsweg (Silvia Faller, „Gottes Paradiesvögel“ und Angie Hasselmann, „Der Caminho ist das Ziel“), dem Weg ins Vergessen (Dodo Wartmann, „Blaues Edelweiß“), den Erlebnissen des Ermittlerduos Solo & Tarzan (Manfred H. Krämer mit Auszügen aus „Mordsmarathon“ und dem noch unveröffentlichten „Autobahnmord“), dem Umgang mit dem eigenen Gesundheitskonto (Dr. Karl-Heinz Hellmann, „Gesund bleiben mit HERZ und Verstand“) oder den Begebenheiten eines Mannheimer Ladens (Karin Lassen, „Eine Möhre auf Weltreise“) hören.

Doch während sich die einen um die bereitgestellten Stühle herumschoben und im Gänsemarsch ihr Heil in anderen Hallen bei Kochgeschirr, Backförmchen und Schneckenkorn suchten, nahmen die anderen die Einladung zum Lesevergnügen gerne an und gönnten sich ein bisschen Zeit zum entspannten Zuhören.

Zur rechten Zeit

viel Trubel in Halle 16
viel Trubel in der Kulturecke von Halle 16

Versehen mit einem Headset, dessen Funktionsfähigkeit die Techniker des Rhein-Neckar-Theaters, deren grandiose Truppe für hallenfüllende Performances zwischen unseren Lesungen sorgte, stets sicherstellte, gelang es auch uns weniger stimmgewaltigen Autoren, die Ohren der buchinteressierten Messebesucher bei all dem Messelärm zu erreichen. Meistens zumindest. Als am letzten Tag meine mittlerweile erkältungsgeplagte Stimme dann nur noch ein erbärmliches Kieksen und Krächzen zuließ, nahte glücklicherweise Hilfe zur rechten Zeit in Gestalt von Manfred H. Krämer, der seinen Helden Solo & Tarzan und mir eine Pause gönnte und stattdessen aus meiner „Möhre auf Weltreise“ las. Danke Manfred!

Verschnaufpausen und inspirierende Auszeiten

Jugendstil-Ausstellung
Jugendstil-Ausstellung von Bärbel und Arno Hettich

Bei allem Trubel und Getümmel genossen wir natürlich auch erholsame Verschnaufpausen. Während uns die „Schlagertanten“ des Rhein-Neckar-Theaters einheizten und somit die Kälte aus den Gliedern vertrieben und uns unsere Standnachbarn, Bärbel und Arno Hettich, mit ihrer wundervollen Jugendstil-Ausstellung in die Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert entführten, sorgte Hans-Georg Sandmann mit seiner bemerkenswerten Geschichte über Richter, KnochenarbeiterInnen und Fabelwesen für atemberaubende Spannung. Am 20. Oktober 2019 um 11.00 Uhr erzählt er sie übrigens auch im Schreiwer Hais´l in der Lillengasse 5 in 67105 Schifferstadt. Noch ein Weilchen hin, doch da wir ja bereits festgestellt haben, dass sie ohnehin wie im Flug vergeht, die liebe Zeit, wird sie uns bis dahin sicherlich nicht zu lang werden. Wie sollte sie auch!

In nächster Zeit

Literarischer und kulinarischer Genuss bei unserer Gartenlesung
Literarischer und kulinarischer Genuss bei unserer Gartenlesung aus der Reihe „Literatur mit Genuss“

Sie bleibt ja nicht stehen, die Zeit. Und wir genauso wenig. Auf die kalten und turbulenten Maimarkttage folgte eine weitere arbeitsreiche Zeit. So schreibe ich beispielsweise gerade an meinem neuen Buch, in dem Zeit gewissermaßen auch eine Rolle spielen wird. Genauer gesagt, die Vergangenheit, die uns Menschen immer wieder einholt. Mehr wird an dieser Stelle nicht verraten. Zunächst genießen wir doch einfach gemeinsam die schöne Sommerzeit. Am besten draußen bei Vogelgezwitscher in lauschiger Atmosphäre. Wie wäre es beispielsweise mit einer Gartenlesung inklusive kleinen Köstlichkeiten und kühlen Getränken? Am 24.07.2019 ist es soweit, ich hoffe, wir sehen uns dort.

Bis dahin: Eine gute Zeit!